Obst- und Gartenbauverein Sillenbuch e.V. FÜR DIE NATUR · MIT DER NATUR
Obst- und Gartenbauverein Sillenbuch e.V.     FÜR DIE NATUR · MIT DER NATUR

A L L G E M E I N E S

 

 

Vogelschutzprojekt OGV Sillenbuch e.V.


in Zusammenarbeit mit dem


Arbeitskreis für Vogelkunde und – schutz e.V.


 

 

Die gefährdeten Arten:

 

 

Halsbandschnäpper

 Endlich wieder Frühling! Die Bäume der Streuobstwiesen rund um Schorndorf zeigen sich wieder stolz in ihrer vollen Blütenpracht. Vor kurzem noch fahlgelbe Wiesen bekommen langsam wieder, wie frisch geputzt, ihre saftig-grüne Farbe. Die heimische Vogelwelt scheint sich auf diese Jahreszeit ebenso zu freuen wie wir, mit ihren Gesängen geben Spechte, Meisen, Baumläufer, Finken dem Frühlingsbild den entsprechenden akustischen Hintergrund. Übermütig kann man viele schon beim Nestbau beobachten. Anfang Mai, wie schnell haben wir uns wieder an vertraute Vogelstimmen gewöhnt, dringt aus einem blühenden Kirschbaumzweig ein durchdringenden "siiieb", gefolgt von melodisch-klagenden "tjüht-tjüht"-Pfeiftönen. Der Halsbandschnäpper ist wieder aus seinem Winterquartier zurück! Er ist einer der interessantesten Vögel unserer Heimat, der jedoch nur sehr wenigen aufmerksamen Vogelbeobachtern bekannt ist. Sicher, das schwarz-weiße Kleid des Männchens kann mit dem etwa gleichgroßen, aber weitaus farbigeren Gesellen Gartenrotschwanz, mit dem es unter anderen den Lebensraum teilt, nicht konkurrieren. Und das nahezu ungezeichnete graubraune Weibchen dürfte von vielen schlichtweg übersehen werden. Dennoch gibt es einiges, was den Halsbandschnäpper zum vielleicht interessantesten Vogel der Streuobstwiesen macht.

 

Der Vielflieger

Der Halsbandschnäpper kommt erst sehr spät aus seinem Winterquartier zu uns zurück. Er ist ein sogenannter Langstreckenzieher, das heißt er überwintert nicht wie beispielsweise der Star oder der Buchfink einfach nur jenseits der Alpen in milderem Klima. Vielmehr fühlt er sich in einem völlig anderen Lebensraum wohl. Das westliche Afrika, jenseits der Sahara, in Ghana, Burundi, Ruanda, Tansania sind seine bevorzugten Überwinterungsgebiete. Langstreckenzieher haben es den Vogelkundlern schon immer angetan. Es liegt immer etwas Geheimnisvolles, Unaufgeklärtes in diesem Zugverhalten, nicht zuletzt spiegelt sich darin auch eine Sehnsucht für uns Europäer nach "exotischen Welten". Ganze drei Monate verbringt er übrigens nur bei uns, bereits ab Juli ist er dann schon wieder auf dem Weg in sein Überwinterungsgebiet. Diese Strecke kann ein Halsbandschnäpper übrigens mehrmals im Leben zurücklegen, denn er kann durchaus ein Alter von 5-7 Jahren erreichen.

 

Bevorzugte Heimat: Baden-Württemberg

Das Brutgebiet des Halsbandschnäppers umfasst im wesentlichen den Bereich von Nordfrankreich, Süddeutschland, Osteuropa bis Weißrussland. Südlichste Verbreitungsgebiete liegen in Süditalien, die nördlichsten sind Gotland und Öland. Kennzeichnend ist eine weitgehend geschlossene Brutverbreitung in Nordwürttemberg mit den Verbreitungsschwerpunkten hier in unserer Gegend. Nirgendwo sonst ist die Siedlungsdichte so hoch. Interessant ist, das gerade diese hohe Siedlungsdichte in einem Ersatzlebensraum liegt, denn ursprünglich kam der Halsbandschnäpper keineswegs in Streuobstwiesen vor. So liegt beispielsweise ein zweiter Verbreitungsschwerpunkt in Württemberg in den Donau- und Illerauen bei Ulm. Hier bewohnt er vor allem Hartholzauen mit altem Baumbestand. Man geht heute davon aus, dass alte Auwälder wie beispielsweise an der Donau der ursprüngliche Lebensraum des Halsbandschnäppers sind.

 

Brutgeschäft unter Zeitdruck

Für die Brut selbst hat der Halsbandschnäpper aufgrund seiner kurzen Aufenthaltsdauer bei uns nicht viel Zeit, und so beginnen die Weibchen bereits kurz nach ihrer Rückkehr Anfang Mai mit dem Nestbau. Die bereits ein paar Tage zuvor eingetroffenen Männchen haben bereits den Brutplatz herausgesucht und zeigen diesen dem Weibchen an, in dem sie lebhaft singend davor sitzen. Dabei kann es sich um einen Nistkasten aus Holz, eine Holzbetonhöhle, wie sie gerne von Meisen benutzt wird, eine alte Spechthöhle oder eine natürliche Höhle in einem alten Obstbaum handeln.

 

Schlechte Perspektive

Grund zur Sorge bereitet der Bestandsrückgang des Halsbandschnäpper vor allem seit den 1970er Jahren. Vom 19. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts war er ein häufiger Vogel. So wurden beispielsweise im Gebiet Kirchsteig in Urbach auf einer Fläche von 30 ha, in der von Paul Bühler 1959 ca. 600 Nistkästen untersucht wurden, 39 Brutpaare festgestellt. Dort gibt es heute noch 1 bis 2 Paare. Der Bestand hat sich seit Anfang der 1970er Jahre auf einem sehr niedrigen Niveau stabilisiert, wobei die mittelfristige Tendenz eindeutig auf einen Rückgang des Halsbandschnäppers schließen lässt. Dieser Bestandsrückgang lässt sich zum einen auf den Einsatz von Pestiziden im Streuobstanbau in den 1970er Jahren zurückführen. Dadurch wurde dem Halsbandschnäpper die Ernährungsgrundlage entzogen. Zu dieser Zeit veränderte sich auch die Nutzung dieses Lebensraumes beispielsweise durch die Entfernung von alten Bäumen und die intensivere, auf Ertrag ausgerichtete Nutzung. Viele Streuobstflächen sind vor allem in den letzten 30 Jahren verschwunden z. B. durch Umlegung in Bauland, Straßenbau.

 

Der Gartenrotschwanz

ist ein auffällig gefärbter Vogel. Er sieht fast aus wie ein Geck, der sich statt zum Tanzball in den Garten verirrt hat. Seine Brust ist orange-rot, er hat einen leuchtend weißen Stirnfleck, und an beiden opfseiten zieht sich ein weißer Streifen entlang. Die schwarze Kehle ergibt einen schönen Kontrast zu seinem farbenfrohen Federkleid. Welch schöne Vögel es doch bei uns gibt! Fast verbreitet er ein wenig Tropenstimmung – und tatsächlich überwintert der Gartenrotschwanz in Afrika und besucht uns nur von April bis Oktober.

Das Weibchen ist sehr viel unscheinbarer: bräunlich mit heller Unterseite. Wohl bei kaum einer Art ist der Unterschied so groß – er muss sich irgendwann in der Evolution eingeschlichen haben. Vielleicht sind die grellen Farben für das Männchen zur Verteidigung seines Reviers wichtig.

Der Gesang ist schön und erklingt mitunter hoch oben vom Dachfirst, wo das Männchen häufig sitzt und mit seinem Gesang sein Revier markiert. Zunächst ertönt ein gedehntes »huit«, dann folgen ein paar Pfeiftöne, tiefe Silben und oft auch Imitationen. Bis zu zwanzig Vögel kann der Gartenrotschwanz nachmachen. Er ist ein guter »Spötter«, der alle Welt zum Narren hält.

Das Männchen kommt etwas früher aus Afrika zurück und beginnt dann sofort mit der Suche nach geeigneten Quartieren. Es sucht sich in der Regel gleich mehrere Höhlen aus, die es dann stolz dem später heimkehrenden Weibchen zeigt. Dazu sitzt es im Loch der Höhle und ruft oder zeigt im sogenannten Zeigeflug mit gefächertem Schwanz seine Appartements. Das Weibchen trifft unter den Höhlen die Auswahl, indem sie einen Halm nimmt und in die Wunschhöhle fliegt.

 

Der Gartenrotschwanz ist ein richtiger Gartenvogel, der früher in alten hohlen Bäumen brütete, heute aber auch gerne Gärten mit Obstbäumen aufsucht. Im Garten kann man ihm durch das Aufhängen von Halbhöhlenkästen erheblich entgegenkommen.

 

Er ist nicht wählerisch, auch im Briefkasten oder unter Ziegeln findet er Unterschlupf. Die Eier sind gänzlich einfarbig, und zwar grünblau, und werden vom Weibchen in 12 Tagen ausgebrütet.

Im Oktober verlässt uns der Gartenrotschwanz und fliegt ins ferne Afrika, um in der Savanne spazieren zu gehen und auf hohen Affenbrotbäumen zu singen.

 

Der Wendehals 

Wenn Mitte April die ersten Birken grüne Blättchen bekommen und die Knospen der Buchen kurz vor dem Aufbrechen sind, hört man mit viel Glück in Gärten oder Wäldern mit älteren Baumbestand durchdringende Laute, die in größter Monotonie etwa zehn mal hintereinander gereiht werden. Man kannn diese Rufe gut durch die Silbe wiet, wiet, wiet, wiet..... wiedergeben.

Diese Rufreihe klingt etwas klagend, beinahe jammernd, und wenn man nach dem Urheber dieser Laute sucht, wird man zunächst kein Glück haben. Man vermutet infolge der durchdringenden lauten Stimme einen größeren Vogel und ist dann sehr erstaunt, wenn man nach langem Suchen einen ganz unscheinbar gefärbten, sich kaum von der Baumrinde abhebenden Vogel von knapp Starengröße findet. Er sitzt unbeweglich auf einem Ast, oft in Längsrichtung, hält den Kopf und Hals etwas erhoben und produziert mit größter Ausdauer diese monoton und wehmütig klingenden Laute. Aber dem Vogel ist gar nicht kläglich zumute, im Gegenteil, er ist in Hochzeitstimmung; denn auf seine Rufe erhält er Antwort, die sich genau so monoton anhört. So rufen sich im Frühling oft zwei Vögel ununterbrochen an, es sind Männchen und Weibchen des Wendehalses.

 

Das rindenfarbene, wenig auffallende Federkleid stellt wohl eine Schutzfärbung dar, denn wenn der Vogel bewegungslos auf einem Ast sitzt kann man ihn von einem Knorren kaum unterscheiden. Sobald er aber durch irgendein Ereignis erregt oder überrascht ist, zeigt er, warum er den Namen Wendehals erhalten hat. Bei meist stillgehaltenem Körper reckt er den Hals weit vor und führt mit ihm schlangenartige Bewegungen aus. Dieses sonderbare Verhalten hat wohl die Wirkung, gewisse Tiere, die den Vogel angreifen wollen, abzuschrecken.

 

Der Wendehals gehört zu der Familie der Spechte, er ist also ein Höhlenbrüter. Daher kommt er nur dort vor, wo Bäume mit ausgefaulten Astlöchern oder Spechthöhlen vorhanden sind. Denn mit seinem zwar spechtähnlichen, aber doch recht schwachen Schnabel ist er nicht imstande, sich seine Bruthöhle selbst zu zimmern. Wie die anderen Spechte hat er eine lange, wurmartige Zunge. Er reckt sie in die unter dem Boden liegenden Ameisennester und zieht mit ihr die Ameisen und namentlich ihre Puppen heraus.

 

Frühestens Mitte Mai werden 8-10 Eier gelegt. Wie bei den meisten echten Spechten sind die Eier rein weiß. Bei der Bebrütung lösen sich die Gatten ab und die nach 13-14 Tagen geschlüpften Jungen werden von beiden Eltern gehudert und gefüttert. Mit Ameisen und Ameisenpuppen werden sie groß gezogen und verlassen das Nest 19-21 Tage nach dem Schlüpfen. (Siehe Brutzyklus 2000)

Während die anderen heimischen Spechtarten den Winter über hier bleiben oder nur wenig in der weiteren Umgebung umherstreifen, ist der Wendehals ein ausgesprochener Zugvogel. Er verläßt uns Anfang September, manchmal auch bereits Ende August, und zieht bis nach Afrika. Der Äquator scheint die Südgrenze seines Wintergebietes zu sein. Durch Beringung hat man festgestellt, daß die Wendehälse stets zu ihrem alten Brutplatz zurückkehren. Sie sind also sehr ortstreu. Wie sehr ein Vogel an sein Brutgebiet, an seine Heimat gebunden ist, beweist ein Berliner Wendehals. Dieser Vogel brütete im Botanischen Garten in einem Nistkasten. Man nahm ihn eines Tages heraus, beringte ihn und brachte ihn mit dem Flugzeug nach Saloniki, das rund 1.600 Kilometer von Berlin entfernt ist. Dort wurde er frei gelassen, und nach 10 Tagen fand man ihn wieder in seinem Nistkasten brüten.

 

Der Wendehals steht auf der ROTEN LISTE der bedrohten Arten, ist von starkem Bestandsrückgang betroffen und folgerichtig, gemäß Beschluß des Rates der Europäischen Gemeinschaft, streng geschützt!

 

Gebirgsstelze 

Körperlänge 18 cm (wie Bachstelze)

Schlanker Vogel; Männchen während der Brut mit schwarzer Kehle und Kinn; Unterseite leuchtet gelb; im Ruhekleid wie Weibchen mit weißer Kehle, weißen Augen- und Bartstreifen; Weibchen sind blasser gefärbt; Jungvögel sind oben  graubraun, unterseits gelblich braun; gelbe Unterschwanzdecken.

 

Das Auffälligste an der Gebirgsstelze ist der lange und schmale Schwanz, der beim Trippeln auf und ab wippt. Sie kann mit ihren hohen, dünnen Beinen flink laufen und rennen.

Sie lebt ganzjährig an Ufern schnell fließender, seichter Bäche. Gelegentlich kommt sie auch an Seen, Teichen und Kanälen vor.

Wie die Bachstelze ist sie Nischenbrüter, der sein Nest in Mauer- löcher und Felsspalten sowie unter Brücken und in Höhlungen an Uferböschungen baut. Sie watet bis zum Bauch im Wasser und nimmt Insekten und kleine Wassertiere von der Wasseroberfläche oder vom Gewässergrund auf. Die Gebirgsstelze kann auch aus dem Rüttelflug Nahrung aufnehmen.

Die Gebirgsstelze ruft scharf "zississ", der Gesang besteht aus halblauten Gezwitscher.

Die 4 bis 6 Eier bebrüten beide Partner. Im Alter von 12 bis 13 Tagen verlassen die Jungen das Nest. Gebirgsstelzen brüten häufig zweimal im Jahr, manchmal sogar dreimal.

Die Gebirgsstelze ist Teilzieher, auf dem Zug übernachten sie oft in großer Zahl im Röhricht; sonst leben sie einzeln oder paarweise. 

 

Kleinspecht

Der Kleinspecht (Dendrocopos minor; auch Grasspecht, Sperlingsspecht) ist eine auch in Mitteleuropa vorkommende Vogelart aus der Gattung der Buntspechte (Dendrocopos). Diese gehören zur Unterfamilie der Echten Spechte in der Familie der Spechte (Picidae) - siehe auch Systematik der Vögel.

 

Aussehen

Der Kleinspecht ist ca. 15 cm lang und damit der kleinste Specht Europas. Das Gefieder ist auf der Oberseite schwarz-weiß quergebändert, auf der Unterseite ist es weiß (auch die Unterschwanzdecken!). Beim Männchen ist der Scheitel rot gefärbt, mit schmalem schwarzem Saum. Beide Geschlechter haben einen weißen Stirnfleck.

 

Verbreitung

Die Art ist in mehreren Unterarten in der gesamten paläarktischen Region zu finden, von Westeuropa bis Japan. In Europa fehlt er nur in den weitgehend waldfreien Gebieten im hohen Norden (z.B. Island) und in den Steppengebieten Südrusslands und der Ukraine sowie in Schottland, Irland und auf manchen Mittelmeerinseln. Außerhalb Europas gibt es Vorkommen in NW-Afrika, Kleinasien, den Kaukasusländern und im westlichen Iran.

 

Lebensraum

Der Lebensraum des Kleinspechts sind Laub- und Mischwälder, Parks, Obstgärten. Er bevorzugt dabei Bäume mit weichem Holz (Weiden, Pappeln) und solche mit rissiger Borke, etwa Eichen. Er frisst hauptsächlich Insekten und deren Larven sowie Spinnen. Die Nahrung sucht er hauptsächlich im oberen Kronenraum der Bäume.

 

Lautäußerungen

Insbesondere in der Balzzeit lässt der Kleinspecht sein "Trommeln" hören, eine sehr schnelle, ca. 2 Sekunden dauernde Folge von Schnabelschlägen. Sein Trommeln ist weniger laut als beim Buntspecht, die einzelnen Wirbel dauern aber etwas länger. Es ist besonders im Frühling zu hören. Außerdem ruft er turmfalkenartig "ki-ki-ki“.

 

Kleiber

Kleiber nisten in natürlichen Spalten oder Nisthöhlen, die von Spechten oder anderen Vögeln verlassen wurden. Das Nest wird mit Rindenstücken, Haaren, Gras und Federn ausgekleidet. Ist der Eingang der Bruthöhle zu weit, wird er mit einer Mischung aus Lehm und Speichel bis auf die Körpermaße der Vögel, etwa 35 mm, zugemauert. Dieser Eigenart verdankt der Vogel auch seinen Namen.

Bereits im Februar vernimmt man den lauten, lang gezogenen, Flötenton der Männchen. Das Weibchen legt im April oder Mai sechs bis acht rotbraun gefleckte Eier. Verlässt der Vogel seine Nisthöhle auch nur für kurze Zeit, deckt er die Eier mit Blättern zu. Die Brut dauert im Schnitt zwischen 14 und 15 Tagen, die Jungvögel bleiben nach dem Schlüpfen noch 22 bis 25 Tage im Nest. Beim Ausfliegen sind die jungen Kleiber schon sichere Flieger. Da der Kleiber bei uns eine der am frühesten brütenden Arten ist, können späte Fröste zum Tode der gesamten Brut führen. Eine zweite Brut wird in der Regel nicht versucht. Die ältesten beringten Vögel erreichten ein Alter von 9 Jahren. 

 

Kleiber leben zur Vegetationszeit hauptsächlich von Insekten und Spinnen, zum Herbst hin auch von Samen verschiedener Laub- und Nadelbäume und von Sonnenblumen. Lieblingsnahrung der Kleiber sind allerdings Maden, weswegen sie auch oft Spechtmeisen genannt werden. Um Nüsse zu öffnen, bedienen sich Kleiber einer besonderen Technik. Sie klemmen die Nuss in eine Baumspalte oder Rindenritze und hämmern dort die gegen verrutschen gesicherte Nuss auf. Beim Klettern setzt er die Füße nicht neben- sondern übereinander. Er kann dadurch sowohl aufwärts als auch abwärts klettern. 

  

Der Steinkauz

Kennzeichen

Der Steinkauz ist mit einer Größe von ca. 22 cm und einer Flügelspannweite von 55 - 60 cm kleiner als eine Taube. Männchen und Weibchen sind gleich groß. Das Männchen wiegt mit etwa 180 g annähernd soviel wie das Weibchen (200 g). Der Steinkauz ist eine kleine, gedrungene und kurzschwänzige Eule mit flachem Oberkopf, großen gelben Augen und weißen Streifen über den Augen, die wie Augenbrauen wirken. Oberseits ist er dunkelbraun mit hellen Flecken. Das Brustgefieder ist gelblichweiß mit dichten braunen Längsflecken. Die Beine sind weißlich befedert. Im Gegensatz zu den meisten anderen Eulen ist der Steinkauz häufig auch am Tage zu beobachten. Er sitzt gerne in der Sonne und jagt oft auch schon am Nachmittag. Hauptsächlich ist er jedoch von Sonnenuntergang bis Mitternacht und in den frühen Morgenstunden unterwegs. Auffällig ist auch der niedrige, wellenförmige Flug, der dem des Spechtes ähnelt. Wird er argwöhnisch, knickst und verbeugt er sich in schneller Folge und gleicht einem kleinen Kobold, was ihm im Volksmund die Namen Quäkerle, Klawittchen und Wichtl eingebracht hat. Leider sind sein monotoner Reviergesang und miauender Lockruf nur noch selten zu hören.

 

Fortpflanzung

Der Steinkauz lebt häufig in Dauerehe und ist sehr brutplatztreu. Er brütet bevorzugt in natürlichen Höhlungen von Kopfweiden und alten Obstbäumen, daneben auch in Mauerlöchern oder auf Dachböden. Heute ist er vielfach auf mardersichere Spezialniströhren angewiesen. Nach der Balz Ende Februar bis Mitte April werden im April/Mai 3 - 7 Eier gelegt. Nach einer Brutzeit von 24 - 28 Tagen verbleiben die Jungen 30 - 35 Tage im Nest. Etwa 1 Woche nach Verlassen der Bruthöhle können sie fliegen. Sie werden jedoch noch weitere 5 Wochen von den Eltern versorgt, bis sie das elterliche Revier verlassen.

 

Nahrung

Der Steinkauz ernährt sich vorwiegend von Feldmäusen. Daneben werden andere Kleinsäuger, Kriechtiere und Lurche erbeutet. Als Nahrungsersatz bei geringem Feldmausvorkommen werden Vögel erjagt. Der Steinkauz frisst auch gerne Regenwürmer, die eine beliebte Aufzuchtsnahrung sind. Der Steinkauz ist Ansitzjäger, jagt jedoch auch im niedrigen Flug und zu Fuß.

Lebensraum und Vorkommen

Der Steinkauz bevorzugt offenes und ebenes Gelände. Der ideale Lebensraum sind daher Kopfweidenbestände, Parkanlagen, Feldgehölze und Obstgärten mit alten Baumbeständen in offener Kulturlandschaft. Der Steinkauz fehlt weitestgehend in den nördlichen Teilen Europas. In Mitteleuropa ist der Steinkauzbestand rückläufig. Der Steinkauz ist ein Ganzjahresvogel.

 

Gefährdung

Der Steinkauz kann ein Alter von 15 Jahren erreichen. Der Bestand des Steinkauzes ist durch Rodung alter Obstbäume und Kopfweiden sowie durch Flurbereinigung, Intensivierung der Landwirtschaft und großflächige Umwandlung von Dauergrünland in Ackerland gefährdet. Durch den Verlust der Brutplätze und Tageseinstände und auch der Nahrungsgrundlage geht der Steinkauzbestand drastisch zurück.

 

 

 

 

Arbeitskreis für Vogelkunde und –schutz e.V.


- Auszug aus dem Vogelschutz-Report Heft Nr. 28 – 1.1.2014 -

 

 

Allgemeines

 

Der Sturm „Lothar" am 26.12.1999, die vorausgegangenen Stürme wie „Wiebke“ und nachfolgende wie „Kyrill" (2008) u.a.

  • mit erheblichen Mengen an Fallholz,
  • die gezielte Ausholzung von Bäumen mit Borkenkäferbefall, sowie
  • die bis 2013 fast ganzjährig erfolgten besonders starken Ausholzungen der Wälder Zur Gewinnung von Nutzholz,

haben in Baden-Württemberg durch den plötzlichen Wegfall von Spechtlöchern und anderen Hohlräumen im Holz einen großen Mangel an Nistplätzen für kleine und große Höhlenbrüter  verursacht.

Da nur Fichten vom Borkenkäfer befallen werden und dann im Zuge ihres langsamen Absterbe-Prozesses vom Dreizehenspecht als Nahrungsquelle genutzt oder Brutbäume besiedelt werden, ist dieser durch eine „vorzeitige" Baumfällung in BW extrem vom Aussterben bedroht.

Die Kohl-, Blau-, Sumpf-, Tannen-, Hauben- und Weidenmeisen; sowie Halsband- und Trauerschnäpper, Gartenrotschwanz und Kleiber fanden nach dem einschneidenden Verlust von „Höhlenbäumen" keine brauchbaren Naturhöhlen für die Aufzucht von Jungvögeln.

Daher wurden bislang in folgenden Gebieten als eine Art Ausgleichsmaßnahme für verloren gegangene Naturhöhlen für kleine Höhlenbrüter entsprechende künstliche Nisthilfen installiert, (siehe „Hilfsprogramm für Höhlenbrüter") - meist mit privaten Spenden und mit Zuschüssen aus dem Naturschutzfonds der LH Stuttgart, Amt für Umweltschutz:

Die Waldgebiete in und um Stuttgart bestehen im Wesentlichen aus Mischwald, der gelegentlich auch angrenzt an Weinberg- und Gartenstrukturen.

Im gesamten Untersuchungsgebiet entstanden in den vergangenen Wintern 2008 bis 2013 bis in den Frühling hinein infolge von Witterungseinflüssen, auch mit zwei Blitzeinschlägen je in eine Eiche und in die Nistkästen 43 und 46 (auf dem Lemberg in S-Feuerbach), von zahlreichen Baum- und Astbrüchen, durch Größer-Nagen der Einfluglöcher in den Vorderwänden der Nisthilfen, sowie infolge von Forstarbeiten mit Baumfällungen wieder einige Beschädigungen an Nisthilfen, insbesondere an deren Vorderwänden, Unterböden und Aufhängungen, die ausgewechselt, ergänzt und erneuert werden mussten.

Außerdem wurden ein Teil der Vorderwände mit länglichem Flugloch nach und nach ausgewechselt, wenn diese Nisthilfen leer blieben.

Nach der Besiedelung durch Hornissen wurden die betroffenen Nisthilfen im Spätherbst gründlich gereinigt oder ausgewechselt.

Zur besseren Erkennung der Nistkasten-Nummer bei der Betrachtung aus verschiedenen Richtungen wurden die Kenn-Nummern bei einigen Nisthilfen doppelt angebracht.

Zur Bewältigung der Arbeiten für den Artenschutz hat die LH Stuttgart, Amt für Umweltschutz, bei den meisten Projekten im öffentlichen Bereich innerhalb der Stadtgrenze einen finanziellen Zuschuss gewährt.

So konnten im Laufe der Zeit in verschiedenen „Kontrollgebieten" innerhalb der LH Stuttgart auch einige "Kontrollstrecken" oder „Teststrecken" eingerichtet werden. Diese werden regelmäßig überprüft und gewartet. Das heißt, dass eingetretene Beeinträchtigungen, wie Beschädigungen, Verluste oder notwendiges Umhängen der Nisthilfen sofort nach Bekanntwerden behoben wurden.

In den nachfolgenden Jahren wurden die „Nistkasten-Aktionen" im Rahmen der „Hilfsprogramme für kleine Höhlenbrüter" zu Kontrollgebieten und wichtigen Teststrecken, um die Forschungsprojekte bei Kleiber, Halsbandschnäpper usw. gut durchführen zu können:

 

Was wir sind, was wir wollen und was wir tun

Ziel und Zweck des Vereins ist die Förderung der Kenntnisse über Schutzbedürfnisse für wild lebende Vogelarten mit Hilfe von Verständnis schaffenden populär-wissenschaftlichen Vorträgen als Öffentlichkeitsarbeit, Förderung von Forschungsprojekten, Durchführung langfristiger Untersuchungen zur Entwicklung von Vogelpopulationen und Hilfsprogrammen für den praktischen Vogelschutz wie Bereitstellen und Instandhalten von Nisthilfen usw.

Vogelkunde und Vogelschutz haben in Deutschland seit mehreren Jahrhunderten eine erfolgreiche Tradition. An die Erfolge der Vorgängergruppen wird somit in offizieller Form angeknüpft.

Der verheerende Orkan Lothar hatte am 26. Dezember 1999 viele Brutgebiete erheblich beeinträchtigt und zahlreiche Bäume mit natürlichen und künstlichen Nistplätzen vernichtet. Aus diesem Grunde sollen künftig in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden Mittel und Wege gefunden werden, um die sichtbaren Verluste der Vogelwelt durch weitreichende "Hilfsprogramme" so schnell wie möglich wieder auszugleichen.

Nun sind über „14 Jahre nach Lothar" vergangen. Die entstandenen Lücken sind naturgemäß bewachsen oder aufgeforstet. Das Jungholz ist inzwischen beeindruckend hoch gewachsen, aber für Höhlenbäume noch lange nicht geeignet, frühestens in den nächsten 30 bis 50 Jahren!

Forstbehörden scheuen sich vor Nistkasten-Programmen, weil diese zunächst nicht nur mit Kosten zur Beschaffung und Installation verbunden sind, sondern auch gewartet werden müssen. Die Kosten für eine ständige Wartung und Instandhaltung eines solchen Nistkasten-Programms sind jedoch erheblich und personell meist nicht zu leisten. Das ist auch der Grund, warum von einem Nistkasten-Programm früherer Vogelschützer-Generationen mit den bekannten und beschriebenen „natürlich" reduzierenden Beeinflussungen nach 30 Jahren fast nichts mehr zu erkennen ist.

 

Deshalb:

Das ist unser Tun.

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© Achim Zwierzynsky