Obst- und Gartenbauverein Sillenbuch e.V. FÜR DIE NATUR · MIT DER NATUR
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Presseinformation 750 Jahre Sillenbuch

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           1264 – 2014: 750 Jahre Sillenbuch

 

           Presseinformation - November 2014

           

             750 Jahre Sillenbuch – Blicke in die Vergangenheit -

Ausstellung in der Galerie im Augustinum vom 17.12.2014 – 06.03.2015

Stuttgart-Sillenbuch, Florentiner Straße 20

 

Die Ausstellung zeigt Exponate aus der Geschichte Sillenbuchs aus über sieben Jahrhunderten, gegliedert in 13 Themen, dargestellt auf 66 Schautafeln.

Den Auftakt macht eine Urkunde vom 16. Dezember 1264; darin wird der Name des Weilers Sillenbuch zum ersten Mal genannt.

Die Dokumente aus der Zeit des Mittelalters über unseren Ort sind dünn gesät; es finden sich nur Urkunden, die den Weiler in einem größeren Kontext erwähnen: den Verkauf des Ortes und deren Bewohner an den Grafen von Württemberg, eine Petition an den Bischof von Konstanz.

Was wir aus der mittelalterlichen Zeit und aus den Jahrhunderten danach wissen: Ortsherren waren die niederadlige Familie derer von Bernhausen; daneben hatten Klöster, Spitäler und mehrere kleinadlige Familien Besitz in Sillenbuch an Grund und Boden und an Menschen. Im 14. Jahrhundert wurden Ort und Bewohner an Württemberg verkauft. Seit 1624 gehörte Sillenbuch zum württembergischen Amt Cannstatt, bei dem es 299 Jahre verblieb.

Sillenbuch wird in den alten Urkunden als Weiler bezeichnet, Rohracker dagegen als (Kirch)Dorf, also als Ort mit eigener Verwaltung und Pfarrei. Der Weiler Sillenbuch verblieb verwaltungstechnisch bei Rohracker bis 1819, als „Filial“ der Kirchengemeinde Rohracker sogar bis 1931.

Erst aus der Zeit, nachdem Sillenbuch im 19. Jahrhundert selbständig wurde, haben wir genauere Kenntnisse von den Vorgängen im Ort durch die Akten der Gemeinde. Dagegen sind „lebendige Zeugen“ aus dem 17. und 18. Jahrhundert bis heute erhalten. Dies sind die alten Grenz- und Waldbesitzsteine im Spitalwald, im Silberwald und im Bußbachtal, und dies ist der alte Dorfkern Sillenbuchs mit seinen barocken Bauern- und Weingärtnerhäusern, mit den zwei ehemaligen Rathäusern und den alten Schulhäusern entlang der Dorfstraße, der heutigen Tuttlinger Straße und der Buowaldstraße.

Über das Leben der Menschen im alten Dorf haben wir genaue und anschauliche Kenntnis erst aus dem späten 19. und aus dem 20. Jahrhundert. Seit dieser Zeit sind Fotografien überliefert, in denen Teile des damaligen Lebens abgelichtet sind. Für die Zeit davor geben Urkunden und Protokolle über den Alltag der Menschen nur wenig Auskunft.

Im Mittelalter und noch Jahrhunderten danach waren die Bewohner des Weilers unfrei, Leibeigene, an den Herrn und an den Grund und Boden gebunden, weitgehend der Gerichtsbarkeit des Grund- und Leibherrn unterworfen. Sie mussten für ihre Herrschaft Dienste leisten, Abgaben zahlen, sie durften weder den Ort verlassen, noch heiraten wen oder wann sie wollten.

Mühsal und Armut prägten über Jahrhunderte hinweg das Dasein der Menschen. Ihr Alltag wurde bestimmt von schwerer Handarbeit und von den beengten Wohnverhältnissen. Sillenbuch war gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein kleines Bauerndorf, exakter: ein Kleinbauerndorf. Der eigene Landbesitz reichte für das Auskommen einer Familie, in der meist mehrere Generationen gemeinsam lebten, nicht aus. Die Männer mussten Lohnarbeit suchen, meist in den Fabriken in Stuttgart und im Neckartal; die eigene Landwirtschaft wurde weitgehend von den Frauen, den Alten betrieben – und von den Kindern.

An Sonn- und Feiertagen suchten die Menschen in einer der zahlreichen Gastwirtschaften im Ort, in den Vereinen und bei Familienfeiern Geselligkeit und Abwechslung vom arbeitsreichen Alltag. Und bei diesen Gelegenheiten ließ man sich fotografieren.  Dagegen finden sich kaum Aufnahmen, die das Arbeitsleben zeigen.

Das überschaubare Leben in dem kleinen Dorf und die homogene soziale Struktur der Bevölkerung wandelten sich zum ersten Mal in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Bürger aus Stuttgart hierher zogen, sich in dem Gebiet links und rechts der Kirchheimer Straße Ein- oder Zweifamilienhäuser bauten, umgeben von Hausgärten. Der damalige Bürgermeister von Sillenbuch sprach von einer „reizenden Gartenstadt“, ein Sillenbucher nannte den damit verbundenen sozialen Wandel treffend: „Mit den Neuen sind lauter Intelligenzbolzen nach Sillenbuch gezogen“.

Der Gang durch die Jahrhunderte endet mit einem Blick auf die gegenwärtige Entwicklung, die den endgültigen Wandel vom Dorf zum städtischen Vorort markiert.

 

Dr. Hans-Georg Müller

 

Ausstellungseröffnung am Dienstag, 16. Dezember 2014
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